2020 | Tannöd

2020 Rampennlicht - Tannöd
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Das Dorf in dem der Teufel wohnt?

Hinterkaifeck heißt der Flecken im nördlichen Oberbayern, in dem sich 1922 eines der rätselhaftesten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte ereignete. Seither erregt und bewegt dieser nie geklärte Mordfall die Gemüter: Gazetten erinnern sich im Zweijahresrhythmus, eine okkultistisch angehauchte Website versorgt den Mystery-Fan mit immer neuen Tatverdächtigen und doch drang erst mit Andrea Maria Schenkels Bestseller „Tannöd“ die monströse Tat aus dumpfem bayrischen Raum in ein deutschlandweites Bewußtsein.

„Tannöd“ zeichnet das eindringliche Bild einer bigotten Dorfwelt. Die dunklen Familiengeheimnisse der Danners werden nach und nach enthüllt. Der Zuschauer wird zum Ermittler, er ist es, dem die Dorfbewohner Bericht erstatten.

Tannöd:Ein Hof des Schreckens?
Schon immer hatte es den Leuten im Dorf gegraust, wenn sie an den Tannödhof dachten und keiner wollte gern hin, und eigentlich hatte man schon immer geahnt, dass sich hier einmal ein Tragödie ereignen würde, ein Alptraum eben. Alle ahnen es, aber keiner greift ein. Alle spüren das Grauen, aber keiner will wahrhaben, dass sich dort auf dem Hof, Schreckliches ereignet. In Aussagen von Zeugen, Erinnerungen und Täterbeschreibungen entsteht so die mosaikhafte Studie eines dörflichen Milieus.

Also: Alles was Sie heute Abend an scheinbar Leichtem auf der Bühne sehen ist das Ergebnis harter, ernsthafter Arbeit. Das soll Sie aber nicht davon abhalten, sich zurückzulehnen, zu entspannen und dem Schicksal des Schürzen jagenden Ministers und der unschuldigen Sekretärin zuzuschauen und sich daran zu ergötzen, was diese in den nächsten zwei Stunden im Westminster-Hotel erleben.

Zu erzählen haben die Figuren viel, wenngleich das Schweigen und das Wegsehen ihren Alltag bestimmen. Entsetzt sind alle über das Geschehene, ein jeder hat Erinnerungen beizutragen, weiß hier noch ein Detail und da noch ein offenes Geheimnis – so fächert sich langsam nicht nur das Porträt eines scheinheiligen Dorfes, sondern auch das einer zerrütteten Familie auf, mit all ihren Abgründen.

Das unfassbar Menschliche
Ein Mosaik des Horrors, das gewaltig unter die Haut geht. Ein raffiniert aufgebautes Wechselbad aus realistisch-naiven Erzählungen der Dorfbewohner und bürokratisch-umständlichen Aktenvermerken der Kriminaler, aus ehrabschneidendem Tratsch und wenig erhellenden Zeugenaussagen, aus gespenstischen Fantasien der Nachbarn und nüchternem Polizeireport.

Marcus | Dialektgott
Marcus | Dialektgott
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Klaus | Orgakönig
Klaus | Orgakönig
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Ati | Schrille Madame
Ati | Schrille Madame
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Bärbel | Mimik-Meisterin
Bärbel | Mimik-Meisterin
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Jochen | Der Stratege
Jochen | Der Stratege
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Steffi | Charmeoffensive
Steffi | Charmeoffensive
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Tine | Bühnenmeisterin
Tine | Bühnenmeisterin
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Volker | Sprecher & Eigentümer
Volker | Sprecher & Eigentümer
Chef, Anführer, Sprecher der Theatergruppe - Theatergruppe Rampenlicht
Bernd | Comedybombe
Bernd | Comedybombe
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht

Oli | The Voice
Oli | The Voice
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht
Axel | Rampensau
Axel | Rampensau
Ensemble - Theatergruppe Rampenlicht

Peter | Licht & Ton
Peter | Licht & Ton
Licht & Ton - Theatergruppe Rampenlicht

Schaurig, spannend: Tannöd – der Rückblick

Es war eine harte Kost, welche das Theater Rampenlicht im Spätwinter auf die Bühne des Vereinshauses gebracht hat. Immer wieder hat das Ensemble laut eigenen Angaben das Stück in die Hand genommen und zur Seite gelegt. Vor eineinhalb Jahren dann doch der Entschluss, das Stück auf die Bühne zu bringen. Es hat sich gelohnt.

Spärlich beleuchtet die Bühne. Glimmt das Licht auf, wird eine alte, einfache Bauernstube sichtbar. Düster wie das Licht, auch die bayerische Bauernfamilie Danner – sie bewohnen einen Einödhof. Das Unwirtliche dieses Hofes, die Abneigung aller dorthin zu gehen – die Atmosphäre wird deutlich erlebbar.
Als ob es eine Vorahnung gegeben hat: Die ganze Familie sowie die neu hinzugekommene Magd werden auf bestialische Weise umgebracht. Das schreckliche, letztlich nie aufgeklärte Verbrechen wird nicht dargestellt. Rückblickende Erzählungen der Darsteller, teils nur in Andeutungen lassen das Geschehene erahnen.

Das eigentliche Grauen findet in den Köpfen der Zuschauer statt:
Eine stetig steigende Spannung, die an die Handschrift von Alfred Hitchcock erinnert. Zum Schluss des fast zweistündigen Stückes, das ohne Pause gespielt wurde, eine abwartende Pause - wirklich zu Ende? - bevor der verdiente Applaus aufbrandet.

Auch wenn sich die Aussage wiederholen sollte: Das Ensemble vom Theater Rampenlicht steigert sich von Stück zu Stück. Und sie haben in über 30 Jahren schon viele Stücke aufgeführt.

Gut in Szene gesetzt, hervorragend gespielt – das Publikum wurde voll in den Bann des Stückes gezogen. Wie eingangs erwähnt, war es keine leichte Kost. Eben Theater mit Anspruch. Es hat sich gelohnt, das Stück auf die Bühne zu bringen – und es hat sich gelohnt, das Stück anzusehen.

Elmar Kurtz

Programmheft Final Aussen

Die Akte "Tannöd"

Das Programmheft zum Stück hier nochmal als Download

Aufführungsimpressionen