Andacht April 2017

Gib Gott eine Chance…

Wer in Österreich Auto fährt sieht gelegentlich Schilder am Straßenrand, die einen sich gefährlich in die Kurve legenden Motorradfahrer zeigen, überschrieben mit „Gib deinem Schutzengel eine Chance!“.
Ich möchte das erweitern zu „Gib Gott eine Chance…!“ – und zwar eine Chance in unserem Leben wirksam zu werden.
Im Februar hatte ich als „Prediger“ beim Jugo „M&M“ angeheuert und möchte einige der Gedanken, die ich dort auf Grund meiner Seefahrtzeit zum Thema „Plan B“ ausgeführt habe, auch für diese Andacht verwenden (Synergieeffekte nutzen 🙂 ):
Hier an Land bin ich schon fast gezwungen, zu allen Entscheidungen, die ich zu treffen habe, mir einen Plan B auszudenken, der dann greift, wenn mein Plan A schief geht. Also stehe immer ich im Mittelpunkt, ich bin der Aktive. Wie sollte da Gott wirken, wenn ich immer selber aktiv bin und ich ihm nur sehr wenig Freiraum in meinem Leben einräume? Wenn wir uns dazu durchringen könnten, Gottes Ideen (wenigstens) als Plan B zu akzeptieren und auf Gottes Ideen zu vertrauen, wäre das schon eine große „Glaubensleistung“ und würde uns sehr entlasten.
Auf See bin ich weitestgehend allein und nur abhängig von Kapitän, Reeder, Wetter und Schiff, lebe in einer sog. „Zwangsgemeinschaft“ – ich kann nicht weg, es gibt keine Hilfe, keinen Gesprächspartner von außen, Unterstützung ist kaum möglich. Der einzige Kontakt nach außen ist Gott (heute mit InMarSat / Handy in Küstennähe etwas besser). Auf See habe ich gar keine andere Wahl, als auf Gott zu vertrauen, das ist „leicht“ – es gibt keine Alternative, keinen Plan B. An Land stehen mir viele Möglichkeiten offen, so dass es „schwierig“ ist, Gottes Handeln zu erkennen und „ihn mal machen zu lassen“.
Zu Beginn meiner Seefahrtzeit habe ich für mich ein paar Merksätze formuliert, deren Richtigkeit – für mich – ich immer wieder verifiziert habe: 1. Gott erhört Gebete und tut Wunder. 2. Gott mehr – auch „Unmögliches“ – zutrauen. Nicht nur um das bitten/beten, was ich selbst gerade noch für möglich halte.
3. Gott handelt unvorstellbar, überraschend und vor allem anders als ich denke. 4. Offen sein für Gottes Entscheidungen auch, wenn sie anders ausfallen, als ich denke – nicht „dagegen anbeten“.
Gott Zeit – also eine Chance – zum Handeln geben, nicht immer sofort Plan B aus der Schublade ziehen!
Das passt auch zum diesjährigen Fastenmotto: Sieben Wochen ohne „sofort“.

Gorch Fock (eigentl. Johannes Kinau) schreibt:
Gottes sind Wogen und Wind,
Segel aber und Steuer,
dass ihr den Hafen gewinnt,
sind euer.

Wir beten, dass Gott uns zeigt, was Wogen und Wind, also seine Einflussgebiete sind und wo wir Segel und Steuer selbst in die Hand nehmen müssen.

Andreas Hasenknopf