„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Epheser 2,19 (Wochenspruch vom 18.7.)

Liebe Freunde, die schlimmsten Pandemie-Zeiten liegen hoffentlich hinter uns. Die anonymen, digitalen Kontaktmöglichkeiten, die uns mehr schlecht als recht durch diese Tage gebracht haben, werden langsam wieder abgelöst durch die ersten Treffen mit mehreren Personen, durch Gruppen-Erlebnisse, Gottesdienste in Präsenz und vieles mehr. Wir alle fremdeln noch ein wenig mit den neuen alten Kontakten und müssen uns erst wieder an diese Normalität gewöhnen. Aber dennoch: Endlich wieder die Freiheit zu treffen wen man will, wie man will und wo man will. Endlich wieder Menschen in den Arm nehmen, Verbundenheit, Nähe spüren. Jetzt heißt es nicht nur, sich selbst in dieser Welt wieder zurecht zu finden, sondern auf die „Mitbürger“ und „Hausgenossen“ zu achten, damit sie sich nicht nur als „Gäste“ fühlen oder gar zu „Hausgenossen“ werden.

Wann ist denn die Einsamkeit besonders groß? Wann fühlen wir sie am meisten? In den Sozialwissenschaften ist ein viel diskutiertes Thema die Tatsache, dass in vielen Gesellschaften die Selbstmordrate im Jahreslauf extrem schwankt. Wir würden alle vermuten, dass in den traurigen und dunklen Monaten wie November die meisten Suizide geschehen. Doch weit gefehlt. In vielen Untersuchungen wurde herausgefunden, dass häufig in den schönen Sommermonaten die meisten Menschen sich für den Freitod entscheiden. Warum das so ist? Nun, das hat etwas mit der wahrgenommenen Einsamkeit zu tun. Wenn alle in ihren Häusern sitzen, kann ich mir immer noch einreden, dass es mir so schlecht geht wie allen anderen auch. Wenn aber alle unterwegs sind, draußen Gemeinschaft genießen und ich stehe dabei und bin allein, dann wird mir dieser Zustand besonders klar und ich leide noch viel mehr.

Das soll uns daran erinnern, dass wir jetzt, in dieser langsam startenden „Normalität“, den einsamen Nachbarn, den Freund, von dem man schon lange nichts mehr gehört hat, den Verwandten, den man schon lange einmal einladen wollte, nicht vergessen. Das muss nicht immer eine ausschweifende Einladung sein. Das kann auch nur die Zeit für ein kurzes Gespräch oder ein Lächeln beim Vorübergehen sein. Das kostet nichts und kann doch unheimlich wertvoll sein.

Nehmen wir uns die Zeit, lächeln wir, tratschen wir mit einander und machen uns so gegenseitig zu Genossen im großen Haus Gottes.

Volker Hühn