Monatsspruch November: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Hiob 19 Vers 25

Irina, 29 Jahre alt, glückliche Kindheit erlebt, ist erfüllt von ihrer Arbeit als Sozialpädagogin. Die Gaben für diesen Beruf, hat sie durch die Mitarbeit im CVJM entdeckt. Sie wird geschätzt von ihren Kollegen, ist seit 2 Jahren verheiratet und seit einem Jahr Mutter eines Sohnes. Der Vater will morgens, bevor er zur Arbeit geht, sich von seinem Kind verabschieden. Dann der Schock. Es atmet nicht mehr. Die herbeigerufenen Notärzte können es nicht mehr retten. Plötzlicher Kindstod.
Über diesem Schmerz erkrankt die Mutter auch noch an Multipler Sklerose, bekommt Depressionen, zieht sich zurück. Sie kann nicht mehr arbeiten. Mit 32 Jahren Frühverrentung. Ihr Selbstwert tendiert gegen Null. Körpergewicht 40 kg. Ich frage sie in der Klinik, wie es ihr mittlerweile geht. Sie antwortet nach einer 10-sekündigen Pause: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Ich bin geflasht. Ich habe alles erwartet, bloß nicht diesen Satz. Alles zerbrochen, alle Sicherheiten dahin und dann diesen Satz.
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Sie erklärt mir, wie ihr anfangs ihre 3 Freundinnen versuchten Trost zu spenden, mit ihr mitzuleiden und nach Erklärungen suchten für dieses Leid. Vergebens; dann zogen auch sie sich zurück. Mit leiser, aber gefasster Stimme spricht sie zu mir: „Für Gottes Wege gibt es keine menschlichen Erklärungen. Das übersteigt unseren Horizont. Als ob wir Menschen Gott erklären könnten? Vergiss es!“ Ich fahre zurück, wie in Trance. In meinem Gehirn trommelt es unentwegt. Ich verstehe die Welt und Gott nicht mehr. Mit meinem Latein bin ich am Ende. Als ich die Autobahnausfahrt nach Hause nehme, blitzt in mir ein Gedanke auf: Ist so möglicherweise Gott? In all meinem Dunkel, in meinem Versagen, meinem unerklärlichen Leid, meinen Zweifel, meiner Angst und Schwachheit, schenkt er mir diesen Gedanken.
– Ich weiß, dass mein Erlöser erlebt und als der letzte wird Er über dem Staub sich erheben -.
Gott als der letzte, der mir verbleibt, der mir keine Erklärungen liefern will, warum dieses oder jenes in meinem Leben so gelaufen ist. Gott, der mir aber als letztes bleibt, wenn alle anderen mich verlassen haben, wenn alle anderen Erklärungen nicht mehr taugen, wenn aller andere Trost nicht mehr tröstet. Wenn alle anderen Glaubens- und Lebensweisheiten nicht mehr tragen, dann schenkt er mir diesen Gedanken. – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt -. Ich kann Gott nicht begreifen, noch seine Gedanken verstehen. Aber es reicht, wenn Er mir diesen Gedanken aufleuchten lässt: – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt -. Darauf setze ich meine Hoffnung, wenn in meinem Leben die nächsten Hiobsbotschaften kommen. Für die trüben Novembertage wünsche ich Euch, dass Euch dieser Monatsspruch durchträgt.

Bernd Hirzel

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